Wir leben in einer Gesellschaft, die – historisch belegt – patriarchal geprägt ist. Über Jahrhunderte hinweg wurden weiblich gelesenen Personen grundlegende Rechte verwehrt:
• Das Wahlrecht
• Das Recht auf Eigentum
• Das Recht auf Bildung und wissenschaftliche Teilhabe
• Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung und sexuelle Autonomie
• Das Recht auf Gleichstellung und faire Bezahlung
Das sind nur die offensichtlichsten Beispiele. Doch neben all den Rechten, die Frauen vorenthalten wurden, gibt es noch eine Vielzahl an Unrecht, das ihnen widerfahren ist – und teilweise immer noch widerfährt:
• Häusliche Gewalt
• Hexenverfolgungen (zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert wurden in Europa zehntausende Frauen ermordet)
• Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen, Genitalverstümmelungen
Vieles davon konnte durch den Kampf für Frauenrechte zumindest eingedämmt oder verändert werden.
Genau hinsehen
Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir: Misogynie existiert weiterhin – in Strukturen, in Sprache, in Denkweisen. Sie steckt nicht nur in den Köpfen mancher Männer, sondern oft auch in denen von Frauen. Denn auch Frauen können sich frauenfeindlich verhalten – bewusst oder unbewusst.
Wenn über Jahrhunderte hinweg Frauen unterdrückt wurden, wenn ihnen grundlegende Rechte systematisch abgesprochen wurden, wenn wir in einer männlich dominierten Welt leben – ist Misogynie dann ein Problem von gestern?
Nein. Misogynie wirkt subtil. Sie äußert sich in herablassenden Kommentaren, im Abstreiten weiblicher Erfahrungen („Ach, das ist doch heute längst nicht mehr so…“), in stereotypen Rollenerwartungen. Sie zeigt sich, wenn man Mädchen andere Dinge zutraut als Jungen. Wenn Frauen als „hysterisch“ oder „zickig“ abgewertet werden. Wenn von der „bösen Schwiegertochter“ gesprochen wird, statt sich mit familiären Dynamiken differenziert auseinanderzusetzen.
Frauen wird oft unterstellt, sie seien zu emotional für rationale Entscheidungen. Dabei haben viele gelernt, sich selbst bis zur Selbstaufgabe anzupassen – eine Form radikaler Selbstreflexion, die ihnen Leichtigkeit und Lebensfreude raubt. Frauen überlegen tausendmal, wie sie sich verhalten, wie sie sprechen, um sich vor abwertenden Kommentaren zu schützen.
Warum ist das so? Warum werden Frauen und Mädchen entwertet? Warum erhalten sie noch immer nicht die gleichen Rechte wie Männer? Und warum ist Feminismus nach wie vor notwendig?
Misogynie ist ein gesellschaftliches Default-Setting.
Wir alle – unabhängig vom Geschlecht – wachsen in einer Gesellschaft auf, in der patriarchale Denkmuster tief verwurzelt sind. Um es in IT-Sprache zu sagen: Es ist ein Virus, von dem wir glaubten, er sei längst aus unserem System gelöscht. In Wahrheit läuft er im Hintergrund weiter.
Er beeinflusst Glaubenssätze, Werte, Verhalten. Er erschwert das Leben, indem er verhindert, dass weiblich gelesene Personen dieselben Chancen auf Bildung, Karriere, Gesundheit und Selbstbestimmung haben wie andere. Misogynie wirkt tief – auch in familiären Systemen. Sie zeigt sich in tradierten Rollenbildern, im Narrativ der „komplizierten“ oder „undankbaren“ Schwiegertochter, in Frauenfeindlichkeit unter Frauen, im Mangel an Solidarität.
Das ist der wahre Mindvirus.
Nicht „Wokeness“ bedroht unsere Gesellschaft – ganz im Gegenteil. Woke zu sein bedeutet, empathisch und mitfühlend zu handeln, für Gerechtigkeit einzustehen und marginalisierte Gruppen zu unterstützen.
Der wahre Mindvirus ist:
• Misogynie
• Rassismus
• Imperialismus
• Queerfeindlichkeit / LGBTQIA+-Feindlichkeit
Er wirkt im Verborgenen – tief in unseren Denkmustern, Systemen und Strukturen. Wer das nicht sehen will, wer so tut, als ginge ihn oder sie das nichts an, lebt an der Realität vorbei.
Es ist an der Zeit, etwas zu verändern.

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